City Camp Riga…

… wenn man in die Straße zur Messe einbiegt kommt nach 500m auf der rechten Seite ein Parkplatz der scheinbar seit neuester Zeit ebenfalls als „Camping“ deklariert wird.

Dieser hat uns bzgl. der Umgebung und Lautstärke nicht besonders gefallen, auch unter Sicherheitsaspekten würden wir ihn nicht unbedingt empfehlen.

Also ging es nochmals knapp 500m weiter zur Messe.

Hier findet man, wie schon geschrieben, City Camping Riga. Ein sehr funktionaler aber gepflegter Platz, mit herzlichem, fast lustigem Empfang in ruhiger Umgebung trotz der Nähe zur Stadt (5 Tage für ca. 90 EUR, 24/7 bewacht, Internet knapp 5 EUR für 24 Std. (Parkuhrprinzip).

Von hieraus ist man in ca. 20min. zu Fuß in der Altstadt oder nutzt den regelmäßig verkehrenden Shuttlebus der die Hotels abfährt und eben auch den Campingplatz.

Unser erster Eindruck von Rigas alter Stadt ist sehr positiv, aber mehr dazu nach unserem zweiten Besichtigungsteil, den wir voraussichtlich kommenden Freitag bzw. Samstag nach unserer Rückkehr aus Düsseldorf machen.

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Bis nach Russland…

… nach erfolgreicher Auspuffreparatur ging es bis nach Russland. Nein, nicht ganz. Genauer gesagt bis zur russischen Grenze.

Narva-Joesuu grenzt am nördlichsten Ende an Russland. Ein kleiner Badeort, mit dem längsten Sandstrand Estlands. In der Tat kann der sich sehen lassen, schöner Sand, eine Strandbar. Und ein paar Kiter. Gefällt uns! Die Badeorte hier sind übrigens geprägt durch viel Wald (der direkt an den Strand grenzt), einfache Einfamilienhäuser und maximal einem oder zwei Hotels. Eine klassische  Flaniermeile oder Promenade findet man eher nicht.

An der russischen Grenze entlang ist das Ziel Narva, drittgrößte Stadt des Landes. Grenzort. 95% russische Einwohner. Wir nutzen den großen Parkplatz direkt vor dem Grenzübergang Estland – Russland. Die mittelalterliche Burg Hermannsfeste aus dem 13. Jahrhundert ist einen Besuch wert. Vom Turm hat man einen weiten Blick über das russische Land. Das besondere hier ist die Konstellation der beiden Burgen, der Hermannsfeste und der am anderen Flußufer liegenden russischen Festung Iwangorod. Der Fluß bildet die Landesgrenze, eine skurrile und wohl einzigartige Konstellation in Europa.

(das Boot segelt ganz sauber an der Grenze entlang, auf  estnischer Seite, der Fluss scheint hier keine 50 Meter breit zu sein)

(Grenzfluss, die andere Uferseite ist bereits Russland)

(Die sich gegenüberliegenden „Burgen“. Blick auf die Burg in Russland)

(Links die LKW Schlange an der Grenze nach Estland, rechts die russische Burg)

(Erinnert unweigerlich an die damalige Deutsch-Deutsche-Grenze)

(Grenzbrücke)

Etwa 70 km Richtung Nord-Westen liegt das Kuremäe-Kolster. Es ist das einzige tätige russisch-orthodoxe Nonnenkloster in Estland. Eine interessante und ungewohnte Architektur und durch die Zwiebeltürme schon von weiten zu erkennen. Direkt neben dem Kloster sprudelt die „Heilige Quelle“, die heute wegen seines heilenden Wassers bekannt ist. Kanisterweise tragen die Leute das Wasser hier weg. Unglaublich! Statt Wasserschleppen haben wir uns auf dem Parkplatz den Sieg der deutschen Mannschaft über die Engländer angeschaut.

(der Brunnen mit dem „Heil-Wasser“)

(auf dem Rückweg zur heilenden Quelle. Glaube versetzt bekanntlich Berge, zu mindest aber Kanister)

Weiter nördlich liegt der Peipsi See, der größte See des Baltikums und angeblich fünftgrößte See Europas. Durch ihn läuft die estisch-russische Grenze. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Eine vergessene Welt, am Ende Europas.

Einige Menschen verkaufen die wenigen Erträge der Landwirtschaft am Straßenrand. Man sieht viele baufällige Holzhütten. Menschen die auf den Feldern arbeiten. Ein unglaublicher Kontrast zu Tallinn. Bilderzu schießen empfanden wir irgendwie nicht angemessen. Wir bleiben auf dem Camping Marjan Maja in Ranna.

In einer neuen, anderen Welt ist man dann in Tartu. Das geistige Zentrum Estlands. Traditionsreiche Universitätsstadt. Trotz der Tatsache dass es die zweitgrößte Stadt des Landes ist, wirkt sie sehr klein und übersichtlich. Die Altstadt ist wirklich schön, die Atmosphäre angenehm. Kaum Touristen, dafür viele junge Studenten. Lebensstil und Kleidung der jungen Leute ist eher westlich geprägt, wenn man es mit Tallinn oder Narva vergleicht. Zwischendurch hatten wir das Gefühl, man wäre wieder in Schweden.

Aufgrund eines traurigen Familienereignisses sind wir nun 250km nach Riga gefahren und fliegen morgen von dort nach Düsseldorf. Am Freitag kehren wir zurück nach Riga um unsere Reise fortzusetzen. Vermutlich geht es dann nochmals nach Estland, die Inseln und Westküste erkunden.

Bis dahin schauen wir uns heute bei heißen 30 Grad die Jugendstil-Stadt Riga an.

P.S. Der Riga City Camping ist nicht wunderschön, aber praktisch, funktional und zentrumsnah. Sehr netter Empfang, 5 Tage für ca. 90 EUR, 24/7 bewacht, Internet 3 EUR für 24 Std. (Parkuhrprinzip)

Kleine Dörfer, ein Gutshof, ein Wasserfall…

… von Tallinn aus starten wir unsere Estlanderkundung gen Osten. Es geht die Küste entlang, auf der E20. Die E-Nationalstraßen lassen sich im übrigen super fahren, fast wie eine Autobahn (die kleineren Landstraßen sind gerne mal etwas bis sehr holprig).

Etwa 70km hinter Tallinn geht es zum Nationalpark Lahemaa, mit 72.500 Hektar der Größte Estlands. Unser erstes Ziel ist der Ort Palmse, bekannt durch das ehemals deutsch-baltische Landgut Palmse. Das Herrenhaus gehört zu den repräsentabelsten und vornehmsten Barock-Herrenhäuser in Estland. Beeindruckend groß ist das Grundstück, mit kleinen Pavillions, einem See mit Bötchen, einem angrenzenden Waldgebiet und weiteren Gebäuden wie die Schnapsbrennerei und die Stallungen.  (Eintritt 70 EEK = ca. 4,50 EUR)

Die Küste des Nationalpark ist geprägt von viel Wald, und kleinen, ja teilweise winzigen Dörfern. Käsmu, Vosu, Altja liegen an einer schönen Bucht. Ein klassisches Dorfzentrum gibt es selten, eher eine Ansammlung vieler kleiner Holzhäuser, maximal noch ein kleiner Supermarkt und/oder eine Gaststätte. Die Bucht ist ruhig, das Wasser warm. Uns zieht es aber noch etwas weiter.

Die E20 führt uns bis Kohtla-Järve – ab hier nehmen wir die kleine Küstenstraße. Die läuft vorbei am Mini-Ort Valaste und dem dortigen Wasserfall, der größte Estlands. Erinnert uns mehr an ein Abflussrohr. Denn aus dem Stein kommt nur braunes Wasser. Als ob da jemand sein Abwasser entsorgt. 😉

Die Reise geht heut bis Toila, ein angeblich hübsches altes Kurbad. Warum es ein Kurbad ist, sieht man sofort. Denn neben dem Wohngebiet mit den kleinen alten Holzhäusern ist der Mittelpunkt des Ortes das hoch herausragende SPA-Hotel. Ein klassischer Plattenbau, dem man einen neuen Anstrich verpasst hat, und ein neuer Gebäudekomplex daneben.  Direkt gegenüber liegt der einzige Camping der Gegend, Camping Toila Sanatoorium. Für 10 EUR gibt es einen Platz, Strom, Wlan und auch direkt unzählige Infos zu den Spa-Angeboten. Eine alte Eisen-Treppe führt zur langen schönen Steinbucht.

Ein neuer Beifahrer.

Seit heute nachmittag haben wir einen neuen Beifahrer: unseren Auspuff! Eher gesagt das Endrohr des Auspuffs.

Der dachte sich wohl, ach, ist immer so kalt und nass unterm Auto. Und dazu  noch dieser Schmutz und die Abgase. Da fall ich mal ab, und gesell mich bequem zum Roller in die Heckgarage, schön ins Warme.

Gesagt, getan. Schon kam er uns heute während der Fahrt durch den Laheema Nationalpark entgegen.

Er reiht sich damit – immerhin nach 10 Jahren Dienst – ganz elegant in die Reihe der Material-fressenden Ereignisse der letzten Monate ein: Reifen, Scheibe, Reifen, Scheinwerfer…

Was wir nun mit diesem Saboteuer machen, wissen wir noch nicht. Eigentlich gibt es keine wirkliche Notwendigkeit einer Reparatur, lauter ist das Auto nicht geworden. Mal überlegen ob wir einen neuen besorgen, und wenn ja, wo. Und dann wird er sein blaues Wunder erleben, denn dann landet er auf einer fiesen ex-sowjet Altmetallentsorgung – da herrschen noch ganz andere Sitten …

Tallinn – eine echte Überraschung!

Wir dachten, ach, wird bestimmt ganz nett. Aber das Tallinn am Ende absolut beeindruckend ist, hätten wir nicht erwartet.

Zunächst die Altstadt, 1997 zum UNESCOWeltkulturerbe erklärt. Tallinn ist die Hauptstadt Estlands, fühlt sich aber, wenn man erstmal die Altstadt-Mauern betreten hat, an wie ein großes Dorf. Das Mittelalter lässt grüßen. Scheinbar unzählige Gassen, jede geschmückt mit schönen Häuserfassaden. Man schlendert  vorbei an alten Gilde-Häusern, der Stadtmauer mit seinen dicken Türmen, Kirchen und Kathedralen, und in der Mitte der Rathausplatz mit seinen Cafes und Restaurants. Eine wirklich schöne Architektur, beeindruckend vor allem durch den wilden Mix der verschiedenen Epochen. Besonders gefallen hat uns die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale, mit ihren weit sichtbaren Zwiebeltürmen ein sehr fremdartiges Bauwerk in dem dortigen Häuserumfeld.

Der Tourismus bestimmt hier das Treiben: wenn einem nicht gerade eine Busladung Touris entgegen kommt, wird man von einem Restaurant-Kellner oder Souvenir-Verkäufer angequatscht.

Haben uns auch das Occupation Museum angeschaut, das die Geschichte Estlands unter sowjetischer Besatzung zeigt. Aus unserer Sicht nicht wirklich lohnenswert, es sei denn man möchte sich mehrere Stunden Videomaterial anschauen.

Am Rathausplatz haben wir uns dann bei Traumwetter einen Kaffee gegönnt. Etwas irritiert waren wir über den Preis für einen Cappuccino (immerhin 3,50 EUR), während er aber nur eine Straße weiter die Hälfte gekostet hätte. Wieder was gelernt.

Mehr durch Zufall (Tipp von einem Touren-Guide) haben wir ein echtes Highlight entdeckt: das ehemalige Gefängnis Patarei, etwas außerhalb des Zentrums gelegen. Ganz ehrlich, das war mit Abstand das schaurigste was ich in meinem (zugegebenermaßen jungen) Leben bisher erlebt habe. Das Museum nennt sich Museum, ist aber eigentlich keins, denn hergerichtet, ausgestellt oder gar rekonstruiert ist hier nichts. Alles wurde einfach so belassen wie es war, als man das Gefängnis schloss. Und geschlossen wurde es erst 2005 was man nicht glauben mag, wenn man Art und Zustand betrachtet. Erinnert eher an die Kriegs- oder Vorkriegszeit. Licht oder Schilder hat man vorsichtshalber auch nicht angebracht, das heißt man läuft durch die dunklen Gänge des Gefängnisses und merkt ziemlich schnell dass das hier alles sehr echt ist. Man meint, es wären vor 10 Minuten die letzten Gefangenen aus den Zellen geflohen. Das ist Schock-Tourismus vom allerfeinsten! Wer die echten Sowjet-Zeiten Estlands hautnah erleben will, muss unbedingt hier her kommen!

Von den 410 .000 Einwohner Tallinns sind ca. 50% Esten und über 38% Russen! Das merkt man an jeder Ecke, aber besonders auf dem „Balti Jaam Market“, ein russischer Markt abseits der Altstadt. Alltägliche Waren, alles sehr authentisch. Alte russische Omis die ein paar Blumen verkaufen. Oder Marmelade. Oder Kräuter. Kleidung noch und nöcher. Alles gänzlich ohne Tourismus. Alles sehr günstig (für unsere Verhältnisse). Hier wird einem final klar, das Tallinn zwei Seiten hat. Ein paar Hundert Meter abseits der geschönten Altstadt ist das soziale Gefälle spürbar.  Die Architektur, die Menschen, die Atmosphäre – alles wirkt hier ganz anders. Nicht mehr rausgeputzt, stattdessen das wirkliche Leben.

Ach ja, wir stehen im Stadtteil Pirita auf dem Pirita Harbour Camping im olympischen Yachthafen (1980 zu den Olympischen Sommerspielen in Moskau erbaut), direkt an der Tallinner Bucht. Der Camping ist eigentlich eher ein Stellplatz, aber für erfreuliche 12 Euro eine Erholung für die Reisekasse.

Fazit Schweden…

… in wenigen Stunden geht es von Stockholm rüber nach Tallinn (Abfahrt 17:45 Uhr).

Prima Zeitpunkt für ein kurzes Schweden-Fazit:

Vom norwegischen Narvik kommend sind wir nach Osten über die schwedische Grenze bis Kiruna. Von dort aus mehr oder weniger entlang der schwedischen Ostküste, um dann bei Hudiksvall einen Abstecher in die Region Dalarna zum Siljansee zu machen. Von dort  wieder rüber nach Osten in die Hauptstadt Stockholm.

Für unseren Geschmack war die Landschaft etwas eintönig (nicht enden wollender Wald gespickt mit einzelnen Seen). Vielleicht waren wir aber auch durch Norwegen etwas arg verwöhnt. Mag sein.

Stockholm hat uns hingegen wirklich sehr gut gefallen und ist auf unserer „Top-Städte-Liste“ nach ganz oben gewandert.

Die Ostseite Schwedens werden wir wohl so schnell nicht mehr besuchen. Dafür aber bei einem der nächsten Urlaube vermutlich den viel reizvolleren Süd-Westen mit seiner Schärenküste.

Vielleicht noch ein Wort zu den Schweden. Wir haben sie als offen, neugierig und höchst freundlich kennen gelernt und uns hier die ganze Zeit über ausgesprochen wohl gefühlt. Angenehm ist auch, dass in Schweden, wie schon in Norwegen (aber auch Dänemark), scheinbar jeder ein gutes Englisch spricht, was das „Erreisen“ des Landes um so einfacher und unkomplizierter macht.

Kurzum: Wir kommen wieder, dann aber geht es in den Westen.