Fazit für das Baltikum…

…auch wenn es schon ein paar Tage her ist, hier ein kleines Resümee.

Die Hauptstädte der drei Länder des Baltikums sind wirklich sehenswert, jede für sich hat seinen Charme. Auch das jeweilige Umland, die Wälder, Seen und natürlich Küste haben etwas.

Am meisten beeindruckt hat uns letztlich jedoch wie groß die Schere zwischen Arm und Reich immer noch zu sein scheint. Villen hier, Ruinen in denen Menschen leben (Ruinen ist wörtlich zu nehmen) dort. Shopping Malls hier, kleine Märkte mit jeglicher Art von Produkten für das „gemeine Volk“ dort. Porsche hier, zu Fuß Gehende dort.

Auch ist die Vergangenheit noch an jeder Ecke präsent. Kleine russische Dörfer der Altgläubigen, russisch-orthodoxe Kathedralen und Klöster. Allein schon die russische Sprache (durch den hohen Anteil an Russen allgegenwärtig) ist ja eine Welt für sich. Eine neue, fremde Kultur, die wir auf unserer Reise so erstmalig erlebt haben.

Für uns, die mit der „osteuropäischen“ Kultur bisher wenig bis gar keine Berührung hatten war es eine interessante Mischung von Ost und West, mal mehr mal weniger mit russischem Einschlag.

Interessant ist auch zu sehen, wie mit Hochdruck an der Modernisierung des jeweiligen Landes gearbeitet wird. Überall Straßenarbeiten, Baustellen, Erneuerungen. Und das aber zugleich noch so viel zu tun ist.

Ob wir noch mal wieder kommen? Wahrscheinlich ja, in 10 oder 15 Jahren, um zu sehen, wie sich die Dinge bis dahin verändert haben. Wir sind froh, hier und jetzt dort gewesen zu sein, um noch ein Stück Vergangenheit des Baltikums gesehen zu haben, die sicher in dieser Form irgendwann verschwunden sein wird.

(„This road was built with EU support“)

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Einmal Estland und zurück…

Wie geplant, sind wir von Riga aus noch mal nach Estland, genauer bis Pärnu gefahren.

Die Westküste und insbesondere Pärnu sind vor allem wegen der tollen langen Strände bekannt. Immer wieder kann man direkt neben der Straße das Meer und den schönen Strand sehen. Viele Parkplätze laden zum „mal-eben-ins-Meer-hüpfen“ ein.

Pärnu ist ein altes russisches Seebad und ein ganz nettes Städtchen. Wer die Seebäder „Ostdeutschlands“ kennt, muss allerdings etwas länger suchen, um den typischen Seebad-Charakter in Pärnu zu finden. Der Strand lässt keine Wünsche offen und ist (für das Baltikum) wirklich beeindruckend. Leider am Sonntag auch beeindruckend voll. Kein Wunder, bei dem Wetter! Diese Menschenmassen am Strand haben wir das letzte Mal in Italien im Hochsommer gesehen. Unglaublich.

Der Camping in Pärnu war uns zu eng und viel zu voll, also sind wir 20km südlich auf einen kleinen abgelegenen Platz gefahren – wo wir fast die einzigen waren. Strand gab es hier leider keinen, nur Schlamm, Algen – und Millionen Mücken! Die Viecher können einem echt alles verderben. Da ist man froh, wenn man im (mückengeschützten) Womo sitzt. Wenn es da drin nur nicht so heiß wäre…. 😉

Nachtrag: Fähre Stockholm – Tallinn…

… uns ist aufgefallen, dass wir die Bilder der Fähre Stockholm – Tallinn vergessen haben zu bloggen.

Daher kurz ein paar Eindrücke.

Es handelte sich hierbei um die Linie Tallink Silja, mit dem Schiff Baltic Queen.

Das Schiff machte, entgegen aller sonstigen Fähren die wir bspw. nach Sardinien oder Griechenland etc in der Vergangenheit gebucht hatten, eher den Anschein eines Kreuzfahrtschiffes denn einer Fähre.

Diverse Bars, Disco, Restaurants, Veranstaltungssäle, Showprogramm, DJ  und und und.

Aufgrund des Baujahres, es wurde erst in 2009 zu Wasser gelassen, befand sich zudem alles in wirklich tadellosem Zustand.

(wir hatten uns für die mit 27EUR/Pers. relativ günstige Buffet Variante entschlossen. Kein Kulinarisches Highlight, aber im Grunde ganz OK).

(bei der lange Ausfahrt aus Stockholm Richtung offenes Meer, ergaben sich immer wieder schöne Ausblicke auf die uns bis dahin verborgene schwedische Schärenküste)

(80er-Jahre-Design aus 2009 bzw. in 2010, über Geschmack lässt sich streiten… 😀  )


(Zwischenstopp in Finnland gegen 01:00 Uhr)

Bis nach Russland…

… nach erfolgreicher Auspuffreparatur ging es bis nach Russland. Nein, nicht ganz. Genauer gesagt bis zur russischen Grenze.

Narva-Joesuu grenzt am nördlichsten Ende an Russland. Ein kleiner Badeort, mit dem längsten Sandstrand Estlands. In der Tat kann der sich sehen lassen, schöner Sand, eine Strandbar. Und ein paar Kiter. Gefällt uns! Die Badeorte hier sind übrigens geprägt durch viel Wald (der direkt an den Strand grenzt), einfache Einfamilienhäuser und maximal einem oder zwei Hotels. Eine klassische  Flaniermeile oder Promenade findet man eher nicht.

An der russischen Grenze entlang ist das Ziel Narva, drittgrößte Stadt des Landes. Grenzort. 95% russische Einwohner. Wir nutzen den großen Parkplatz direkt vor dem Grenzübergang Estland – Russland. Die mittelalterliche Burg Hermannsfeste aus dem 13. Jahrhundert ist einen Besuch wert. Vom Turm hat man einen weiten Blick über das russische Land. Das besondere hier ist die Konstellation der beiden Burgen, der Hermannsfeste und der am anderen Flußufer liegenden russischen Festung Iwangorod. Der Fluß bildet die Landesgrenze, eine skurrile und wohl einzigartige Konstellation in Europa.

(das Boot segelt ganz sauber an der Grenze entlang, auf  estnischer Seite, der Fluss scheint hier keine 50 Meter breit zu sein)

(Grenzfluss, die andere Uferseite ist bereits Russland)

(Die sich gegenüberliegenden „Burgen“. Blick auf die Burg in Russland)

(Links die LKW Schlange an der Grenze nach Estland, rechts die russische Burg)

(Erinnert unweigerlich an die damalige Deutsch-Deutsche-Grenze)

(Grenzbrücke)

Etwa 70 km Richtung Nord-Westen liegt das Kuremäe-Kolster. Es ist das einzige tätige russisch-orthodoxe Nonnenkloster in Estland. Eine interessante und ungewohnte Architektur und durch die Zwiebeltürme schon von weiten zu erkennen. Direkt neben dem Kloster sprudelt die „Heilige Quelle“, die heute wegen seines heilenden Wassers bekannt ist. Kanisterweise tragen die Leute das Wasser hier weg. Unglaublich! Statt Wasserschleppen haben wir uns auf dem Parkplatz den Sieg der deutschen Mannschaft über die Engländer angeschaut.

(der Brunnen mit dem „Heil-Wasser“)

(auf dem Rückweg zur heilenden Quelle. Glaube versetzt bekanntlich Berge, zu mindest aber Kanister)

Weiter nördlich liegt der Peipsi See, der größte See des Baltikums und angeblich fünftgrößte See Europas. Durch ihn läuft die estisch-russische Grenze. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Eine vergessene Welt, am Ende Europas.

Einige Menschen verkaufen die wenigen Erträge der Landwirtschaft am Straßenrand. Man sieht viele baufällige Holzhütten. Menschen die auf den Feldern arbeiten. Ein unglaublicher Kontrast zu Tallinn. Bilderzu schießen empfanden wir irgendwie nicht angemessen. Wir bleiben auf dem Camping Marjan Maja in Ranna.

In einer neuen, anderen Welt ist man dann in Tartu. Das geistige Zentrum Estlands. Traditionsreiche Universitätsstadt. Trotz der Tatsache dass es die zweitgrößte Stadt des Landes ist, wirkt sie sehr klein und übersichtlich. Die Altstadt ist wirklich schön, die Atmosphäre angenehm. Kaum Touristen, dafür viele junge Studenten. Lebensstil und Kleidung der jungen Leute ist eher westlich geprägt, wenn man es mit Tallinn oder Narva vergleicht. Zwischendurch hatten wir das Gefühl, man wäre wieder in Schweden.

Aufgrund eines traurigen Familienereignisses sind wir nun 250km nach Riga gefahren und fliegen morgen von dort nach Düsseldorf. Am Freitag kehren wir zurück nach Riga um unsere Reise fortzusetzen. Vermutlich geht es dann nochmals nach Estland, die Inseln und Westküste erkunden.

Bis dahin schauen wir uns heute bei heißen 30 Grad die Jugendstil-Stadt Riga an.

P.S. Der Riga City Camping ist nicht wunderschön, aber praktisch, funktional und zentrumsnah. Sehr netter Empfang, 5 Tage für ca. 90 EUR, 24/7 bewacht, Internet 3 EUR für 24 Std. (Parkuhrprinzip)

Kleine Dörfer, ein Gutshof, ein Wasserfall…

… von Tallinn aus starten wir unsere Estlanderkundung gen Osten. Es geht die Küste entlang, auf der E20. Die E-Nationalstraßen lassen sich im übrigen super fahren, fast wie eine Autobahn (die kleineren Landstraßen sind gerne mal etwas bis sehr holprig).

Etwa 70km hinter Tallinn geht es zum Nationalpark Lahemaa, mit 72.500 Hektar der Größte Estlands. Unser erstes Ziel ist der Ort Palmse, bekannt durch das ehemals deutsch-baltische Landgut Palmse. Das Herrenhaus gehört zu den repräsentabelsten und vornehmsten Barock-Herrenhäuser in Estland. Beeindruckend groß ist das Grundstück, mit kleinen Pavillions, einem See mit Bötchen, einem angrenzenden Waldgebiet und weiteren Gebäuden wie die Schnapsbrennerei und die Stallungen.  (Eintritt 70 EEK = ca. 4,50 EUR)

Die Küste des Nationalpark ist geprägt von viel Wald, und kleinen, ja teilweise winzigen Dörfern. Käsmu, Vosu, Altja liegen an einer schönen Bucht. Ein klassisches Dorfzentrum gibt es selten, eher eine Ansammlung vieler kleiner Holzhäuser, maximal noch ein kleiner Supermarkt und/oder eine Gaststätte. Die Bucht ist ruhig, das Wasser warm. Uns zieht es aber noch etwas weiter.

Die E20 führt uns bis Kohtla-Järve – ab hier nehmen wir die kleine Küstenstraße. Die läuft vorbei am Mini-Ort Valaste und dem dortigen Wasserfall, der größte Estlands. Erinnert uns mehr an ein Abflussrohr. Denn aus dem Stein kommt nur braunes Wasser. Als ob da jemand sein Abwasser entsorgt. 😉

Die Reise geht heut bis Toila, ein angeblich hübsches altes Kurbad. Warum es ein Kurbad ist, sieht man sofort. Denn neben dem Wohngebiet mit den kleinen alten Holzhäusern ist der Mittelpunkt des Ortes das hoch herausragende SPA-Hotel. Ein klassischer Plattenbau, dem man einen neuen Anstrich verpasst hat, und ein neuer Gebäudekomplex daneben.  Direkt gegenüber liegt der einzige Camping der Gegend, Camping Toila Sanatoorium. Für 10 EUR gibt es einen Platz, Strom, Wlan und auch direkt unzählige Infos zu den Spa-Angeboten. Eine alte Eisen-Treppe führt zur langen schönen Steinbucht.

Ein neuer Beifahrer.

Seit heute nachmittag haben wir einen neuen Beifahrer: unseren Auspuff! Eher gesagt das Endrohr des Auspuffs.

Der dachte sich wohl, ach, ist immer so kalt und nass unterm Auto. Und dazu  noch dieser Schmutz und die Abgase. Da fall ich mal ab, und gesell mich bequem zum Roller in die Heckgarage, schön ins Warme.

Gesagt, getan. Schon kam er uns heute während der Fahrt durch den Laheema Nationalpark entgegen.

Er reiht sich damit – immerhin nach 10 Jahren Dienst – ganz elegant in die Reihe der Material-fressenden Ereignisse der letzten Monate ein: Reifen, Scheibe, Reifen, Scheinwerfer…

Was wir nun mit diesem Saboteuer machen, wissen wir noch nicht. Eigentlich gibt es keine wirkliche Notwendigkeit einer Reparatur, lauter ist das Auto nicht geworden. Mal überlegen ob wir einen neuen besorgen, und wenn ja, wo. Und dann wird er sein blaues Wunder erleben, denn dann landet er auf einer fiesen ex-sowjet Altmetallentsorgung – da herrschen noch ganz andere Sitten …