Unser Fazit für Polen, Slowakei und Ungarn…

… Fazit: Es gibt kein Fazit 😉

Da wir durch die Länder nur „durchgehuscht“ sind, lässt sich auch kaum etwas schreiben.

Außer vielleicht, dass wir in Polen den durchweg und bisher mit Abstand übelsten Fahrstil miterleben „durften“, eine Kombination aus Rücksichtslosigkeit und Hirnlosigkeit.

Dann natürlich, dass uns der Bummel durch Krakau sowie die dortigen Universität viel Spaß gemacht hat.

Dass man Auschwitz selber mal besucht haben sollte.

Und dass Budapest uns sicher wieder sehen wird, aber dann via Flieger.

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Überraschungskandidat Krakau…

… Wir hatten keine wirkliche Vorstellung von und keine Erwartungen an Polen, da es eigentlich mehr als „Durchreiseland“ geplant war. Gleiches galt für Krakau. Wir fahren mal hin, und schauen es uns einfach an. Liegt ja quasi auf dem Weg.

Umso überraschter (im positiven Sinne) sind wir von Krakaus Altstadt. Wir fühlen uns plötzlich fast in eine mittelgroße italienische Stadt versetzt. Die Atmosphäre und das Flair wirken ungewohnt mediterran und südeuropäisch (vorallem im Vergleich zu den zuletzt besuchten Großstädten). Wir können nicht so recht ausmachen woran es liegt. Die schönen Plätze mit den Cafes und einladenden Terassen, die mit Blumen geschmückten Balkone oder einfach die vorrangig gelbliche Häuserfarbe. In jedem Fall gemütlich und angenehm. Das einzig unangenehme sind die unzähligen Cityguides, die einen in der Altstadt (ungelogen) alle 2 Minuten, in manchen Straßen jede 30 Sekunden anquatschen und eine Citytour (z.B. mit einem Elektroauto wie man sie auf Golfplätzen findet) verkaufen wollen. Wir überlegen scherzeshalber kurz, ob wir uns nicht ein Schild umhängen mit der Aufschrift „NO CITY TOUR!“ 🙂

Besonders sehenswert fanden wir die Sukiennice, die langgestreckten Tuchhallen auf dem Marktplatz der Stadt. Die Spitzbogenarkaden zusammen mit den alten eisernen Laternen wirken mit den kleinen Souvenirläden wirklich einmalig.

Außerdem werfen wir einen Blick in die Alma Mater, eine der ältesten Universitäten Europas und echte Vorzeige-Uni. Berühmtester ehemaliger Student war Kopernikus, von dem hier auch einige Unterlagen und „Geräte“ bestaunt werden können. Beim Blick in die alten Säle mit den beeindruckenden Holzarbeiten, Goldverzierungen und Portraits (insbesondere die alte Aula) kann man fast vergessen, dass die Räume auch heute nach wie vor als Studien- und Tagungsräume genutzt werden.

Ja, Krakau können wir uneingeschränkt empfehlen – eine schöne und zugleich übersichtliche Stadt, mit besonderem Flair.

Zum Thema Empfehlung: Wir waren übrigens auf dem Camping Krakowianka, ca. 5km von der Innenstadt entfernt. Laut ADAC mit Freibad-Anbindung, was ja bei dem Wetter Hauptkriterium für die Platzwahl ist. Unsere Empfehlung: diesen Platz meiden. Die Stromdosen waren teilweise defekt, die Sanitäranlagen ziemlich runtergekommen oder gerade eine Baustelle. Auch das Freibad gab es irgendwie nicht mehr. Eindeutig 0 von 0 Punkten.

Auschwitz…

… mit jetzt wieder normalem Motorsound ging es ca. 40km weiter in den Ort Oswiecim, besser bekannt als Auschwitz.

Der Weg führte uns nach Auschwitz 1, was schon die erste „Überraschung“ war, denn bis dahin wussten wir nicht, dass es mehrere geben sollte. Aber dazu später mehr.

In Auschwitz 1 angekommen und vor dem dortigen Museum geparkt, ging es weiter an die Kasse. Ca. 8 EUR pro Person gezahlt und dann in die um 13:30 Uhr geführte deutschsprachige Tour eingeklinkt (in der Zeit von 10 Uhr bis 15 Uhr ist der Besuch von Auschwitz 1 nur mit Führung möglich, die im Übrigen jeden Cent bzw. Sloty wert ist und ohne Guide ziemlich uninteressant da nicht informativ wäre).

Bevor es losgehen konnte bekam jeder Teilnehmer noch einen Kopfhörer samt Empfänger (der Guide spricht ins Mikrofon). Ein sehr cleveres System, denn einerseits bleibt es auf dem Gelände recht ruhig, da nur der jeweilige Guide spricht – es gibt mehrere Gruppen zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Sprachen. Und andererseits kann der Besucher so den Ausführungen des Guides lauschen ohne ständig an seinem „Ohr kleben zu müssen“, ja, sich sogar einige Meter von ihm entfernen um sich abseits etwas umzuschauen ohne dabei etwas zu verpassen.

Und dann ging es los.

Wo fängt man da an…? Vielleicht am Anfang.

Warum Auschwitz und kein anderer Ort? Es war reiner Zufall, denn hier standen bereits alte Kasernengebäude die sich bestens für den Aufbau eines Lagers, man könnte auch sagen Gefängnisses für polnische politische Häftlinge eigneten. Erst nach und nach wurde aus Ausschwitz das was man heute damit verbindet.

Am Eingangstor wird man mit den Worten „empfangen“ für die man keine Worte findet: „Arbeit macht frei“. Diese Worte sind nicht einzigartig. Es gab sie schon in einem anderen Lager. Und der dortige Lagerkommandant der dann für Ausschwitz zuständig war hat sie schlicht auch hier über das Eingangstor „schreiben“ lassen.

Man betritt das Gelände also durch eben dieses Tor, vorbei an Wachtürmen und einem damals unter Hochspannung stehenden Zaunkorridor. Wie sagte der Guide, hieraus gab es nur einen Weg und der ging durch den Schornstein. Was makaber klingt war völlig ernst gemeint, und genau so soll es auch den Neuankömmlingen mitgeteilt worden sein. Und wieder: ohne Worte.

Das Gelände besteht typisch einer Kaserne aus Backsteinhäusern in der üblichen geometrischen Anordnung. Die Führung geht durch einige dieser Häuser die unterschiedliche Themenschwerpunkte im Sinne einer Ausstellung haben, aber auch original Räume und deren Ausstattung zeigen.

Auschwitz ist extrem schnell gewachsen und so wurden von den Häftlingen selbst die ursprünglichen Kasernenhäuser umgebaut, erweitert, durch Stockwerke ergänzt.

Gab es anfänglich noch 2, 3 Betten mit Tisch und Schrank in einem Raum, wurden daraus nach und nach nur noch Räume mit einer einzigen großen Strohunterlage. Erschreckend. Der Guide zitiert ehemalige Inhaftierte: Auschwitz 1 war Luxus gegen Auschwitz 2 (Birkenau) wo es nur noch Holzbaracken gab. Wobei eine Bracke ursprünglich einfach ein Pferdestall für 52 Pferde war, der nach Birkenau gebracht und dort wieder aufgebaut wurde um hier 600 Menschen „leben“ zu lassen, in Kälte, Hitze, Schlamm, mit Ratten und einem unerträglichem Fäkaliengestank…

Immer wieder sind original Pfundstücke in Auschwitz 1 ausgestellt, wie 40.000 Schuhe, unzählige Koffer, Bürsten und und und. Denn, man kann es kaum glauben, man sagte damals den Betroffenen dass sie umgesiedelt werden und bis zu 25 Kilo Gepäck mit in ihr neues Heim nehmen können.

Tatsächlich ging es für 1,1 Millionen Menschen in den Tod. Zum Großteil direkt nach der Ankunft von der Rampe aus dem Zug in den Tod.

Männer, Frauen, Kinder mussten sich komplett entkleiden, zum Waschen, wie man sagte. Türen wurden geschlossen, Dunkelheit, Zyklon B Granulat wurde von oben in den dunklen Kellerraum gefüllt, der Kampf um Sauerstoff setzte ein, Kinder und schwache Menschen waren nach unvorstellbar langen 10 Minuten Tod, starke, junge Männer kämpften bis zu 20 Minuten, nach 30 Minuten wurden die Türen wieder geöffnet. Man schnitt jedem Menschen die Haare ab, wenn sie länger als 2 Zentimeter waren, Rohstoffe zur Weiterverarbeitung zum Beispiel als Kleidungsstoff oder Filz, für Filzpantoffel für die Nazi-Offiziere oder Filzkragen für Uniformen, oder einfach Teppiche… Danach gingen die Leichen zum Krematorium, über 4.000 konnten in einem einzigen Ofen täglich verbrannt werden. Irgendwann waren es zu viele Leichen für die Krematorien die alle in der Umgebung des Lagers verteilt waren und man verbrannte sie parallel auf Scheiterhaufen. Der Leichengeruch soll bis in das ca. 60 Kilometer entfernte Krakau zu riechen gewesen sein. Dabei versuchte man die Massentötungen stets geheim zu halten. Niemand der noch Lebenden sollte erfahren welches Schicksal ihn erwartet. So wurden zum Beispiel auch die Inhaftierten die in einer Art Sonderstellung befindlich die Leichen auf dem Scheiterhaufen verbrennen mussten von allen anderen getrennt untergebracht und landeten später selbst in der Gaskammer. Ohne Worte. Nein, einfach nicht vorstellbar, selbst hier nicht, wenn man selbst im einzig noch erhaltenen von den Nazis nicht gesprengten Krematorium steht. Nicht vorstellbar…

Es gäbe noch so viel anderes unglaubliches zu berichten, von Kollektivstrafen bei Ausbruchversuch eines Inhaftierten, täglichen Rapports die bei jedem Wetter gehalten wurden und selten weniger als eine Stunde und gerne den ganzen Tag dauerten, von dem Gefängnis im Gefängnis mit Stehzellen in die man durch ein kleines Loch am Boden hineinkriechen musste um dann mit 4 Personen in einer  90 x 90cm kleinen dunklen Kammer zu stehen, von medizinischen Experimenten an Kindern, Tests zur Massensterilisation von Frauen…

Es ist kaum in Worte zu fassen und in keinem Falle können sie diesen Geschehnissen gerecht werden.

Man kann nur selbst versuchen sich hiervon ein Bild zu machen, hier vor Ort. Und damit endet an dieser Stelle unser Versuch die Dinge zu beschreiben für die es keine Worte gibt.

1. Anmerkung:

Dank vieler Bäume und Wiesen wirkt Auschwitz heute sehr grün. Damals bot sich ein anderes Bild: vorrangig grau, hauptsächlich Steine, Erde und Schlamm. Die heutigen Bäume wurden damals von den Häftlingen angepflanzt um dem Moorgebiet auf dem Auschwitz erbaut wurde das Wasser zu entziehen. Da Pappeln besonders viel Wasser benötigen hat man eben diese angepflanzt. Laut unserem Guide sind Auschwitzüberlebende jedes Mal erneut erstaunt wie grün Ausschwitz heute ist…

2. Anmerkung:

Da in Auschwitz 1 im Inneren der Gebäude keine Fotos erlaubt sind, haben wir uns auch an diese Regel gehalten.

(der Schriftzug ist (leider) nicht cder orginale. Der Originale wurde im Auftrag eines Schwedens gestohlen im Dezember, jedoch bereits wiedergefunden, aber in mehreren Teilen und wird jetzt wieder hergerichtet um dann erneut montiert zu werden. Der Grund des Diebstahls scheint noch nicht ganz klar, die Gerichtsverhandlung findet noch statt)

Auspuff die wievielte….?

Wir rollten nunmehr 500 Kilometer auf Polens mal guten, mal schlechten Straßen als unser Womo sich plötzlich anhörte wie ein marokkanischer LKW, wahlweise auch deutscher Bagger.

Man musste kein Prophet sein um zu wissen was passiert war. Wieder einmal der Auspuff, nur dieses Mal hat sich nicht das in Lettland geschweißte Endrohr verabschiedet, sondern das Rohr was direkt aus dem Motor in den ersten Topf führt. Sensationeller Sound.

Mittlerweile wissen wir, dass nicht jede Werkstatt unser 4,5 Tonnen Mobil hochhieven kann, so haben wir beim ADAC ein paar relevante Werkstätten abgefragt.

Letztlich haben wir uns für einen großen Fiathändler bei Katowice entschieden und fuhren, nachdem wir das Rohr notdürftig am Topf angebunden hatten, damit es nicht vollständig vom Motor abreißt weitere 200 Kilometer auf den Campingplatz in Katowice.

Der Camping mit dem originellen Namen „Nr. 215“ ist in einem Wald direkt an der Autobahn und einem Sportflughafen gelegen. Trotz dieser Tatsache haben wir hier eine halbwegs ruhige Nacht verbracht  –  zuvor haben wir uns noch im nagelneuen Pool des Platzes abgekühlt, was bei der aktuellen Hitze kaum zu bezahlen ist.

Am nächsten Morgen standen wir dann pünktlich um 9 Uhr auf der Matte der niederlassungsartigen Fiatwerkstatt. Die junge Dame an der Kasse war so nett und übersetzte unser Anliegen von Englisch auf Polnisch, 2 Stunden später und 60 EUR ärmer war das Rohr repariert, jedoch nicht ohne Hinweis, dass wir die Anlage alsbald erneuern lassen sollten. Hätte man es uns vorher gesagt, hätten wir dies auch an Ort und Stelle gemacht, so aber hoffen wir einfach mal dass wir bis zum Ende unserer Reise keine weiteren Überraschungen mehr erleben um dann im November dem Womo seine wohlverdiente Rundumerneuerung zu gönnen.