Ein riesiger Sandkasten…

…Nachdem wir also die Todhra-Schlucht besichtigt haben, sind wir morgens gegen 9 Uhr aufgebrochen um uns auf den Weg in die Wüste zu machen.

Ziel: „Erg Chebbi“ mit dem Ort Merzouga und dortigem Campingplatz „Le Petit Prince“, angeblich einer der „romantischsten“ Plätze der Gegend, da man hier direkt an den Dünen steht…

Die Strecke war, mit wenigen Ausnahmen, ganz gut zu fahren, auf den letzten ca. 80 Kilometer waren auch durchaus Geschwindigkeiten jenseits der 120km/h möglich, nur erwischen lassen sollte man sich dabei nicht, sonst sind mal wieder 400 Dirham fällig… (knapp 40 Euro).

Das schnelle „Durchfahren“ macht tatsächlich auch Sinn, denn zu sehen gibt es auf dem Weg in die Wüste außer Geröll wenig bis nichts, lassen wir mal den letzten Ort vor Merzouga namens „Rissani“ mit seiner Palmerie außen vor sowie die immer wieder zu sehenden frei laufenden Kamele in den Geröllweiten.

Kurz vor Merzouga wird man dann von unzähligen Hinweisschildern der umliegenden Auberges begrüßt.

Wir fahren weiter in und durch den Ort und folgen dem Schild „Le Petit Prince“. Nach ein paar hundert Metern Piste sind wir am hübschen Campingplatz angekommen.

Leider hat der sehr nette Besitzer, der zudem etwas deutsch spricht, den Teil direkt vor den Dünen in einen Garten umgewandelt, womit das „Campen“ unmittelbar an den Dünen nicht mehr möglich ist. Aber immerhin bleibt der Blick zum Teil frei auf den ersten goldig schimmernden „Sandhaufen“, geschmückt von ein paar Palmen.

Der viele Sand ist tatsächlich beeindruckend und bildet mit den Palmen davor eine willkommene Abwechslung nach der tristen Fahrt.

Wir gehen ein paar Schritte und noch ein paar Schritte und noch ein paar und stehen plötzlich mitten in der Wüste umgeben von Sand, Sand und noch mehr Sand. Die Stille ist beeindruckend. Der Sand schluckt ähnlich wie im Tonstudio jedes Geräusch. Kein Schall, kein Nichts. Einfach Stille.

(Das Kamel ist zusammen mit einem Jüngeren dem Treiber ausgebüchst der durch die Wüste angerannt kam. Dieses hier konnte leider nicht sooo schnell wie sein Kollege, denn ihm wurden die Vorderbeine zusammen gebunden, nun auch sicher seinem schnellen Kollegen).

Doch die Stille nimmt ein jähes Ende. In unmittelbarer Nähe haben plötzlich zwei Quadfahrer das Erklimmen einer ganz bestimmten Düne zu ihrer heutigen Tagesaufgabe gemacht. Dazu muss man wissen dass es seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt ist, die Düne mit 4×4 zu befahren, nur leider interessiert es hier keinen. Kommerz geht auch an diesem ansonsten ungewöhnlich stillen Ort vor.

Diese erstaunliche Stille und Einsamkeit ist nicht jedermanns Geschmack. Mein (Olis) zumindest nicht unbedingt. Hier ist alles etwas zu ruhig, zu einsam.

Zudem stinken die Kamele (die direkt vor unserem Camping „wohnen“) dermaßen dass der Duisburger Zoo vor Neid erblassen würde 🙂 . Eine Wüstentour auf so einem Wüstenschiff kommt von daher nicht in Frage. Und ein Trip mit 4×4 verbietet sich von selbst.

Nach einer angenehmen Nacht, die mit Temperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt die bisher Kälteste war, geht es weiter Richtung Marrakesch mit „Schlaf-Stopp“ im schon bekannten Ouarzazate.

Da wir die nördliche Ostverbindung zwischen Hohen und Anti-Atlas in Richtung Wüste genommen hatten (N10), entschließen wir uns, die südliche Route (d.h. die N12) unterhalb des Anti-Atlas zurück zu fahren.

Die insgesamt 330km nach Ouarzazate gestalten sich anfangs schwierig, da der Asphalt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist (auch für marrokanische Verhältnisse) und die ersten ca. 20 Kilometer nach Passieren von Rissani vom videospielartigen Schlaglöchern-Ausweichen geprägt ist, vom ständig massiven Runterbremsen vor den unzähligen Furten ganz zu schweigen.

Danach wird die Fahrbahn besser und wir können mit 110-120km/h durch die öde Steinlandschaft „fliegen“ in der es nun nicht einmal mehr Kamele zu sehen gibt. So stellt man sich Mondlandschaft vor.

Nach Tazzarine folgt die R108, und ca. 20 Kilometer bevor unsere Straße die N9 (Nationalstraße zwischen Zagora und Ouarzazate) kreuzt, ist mit einem Male der Asphalt weg. Einfach weg. Irgendwer hat beschlossen hier aus der 1,5spurigen Straße eine 2spurige zu bauen. Schön für die künftigen Befahrer dieser Straße, Pech für uns. Ganz dumm.

Wir müssen die letzten 20 Kilometer Piste fahren. Wenn es denn wenigsten Piste wäre, denn das hier ist eher ein 1,5spuriger Baustellenpfad.

Also bleibt nichts anderes als im ersten, maximal zweiten Gang weiter zu fahren. Wie gesagt, 20 Kilometer … Das war die Zeit in der ich wohl sämtliche mir einfallende Flüche ausgestoßen habe bis mir nach etwa 10 Kilometern keine mehr einfielen und ich mich unserem Schicksal ergab….

Als wir endlich wieder auf die Nationalstraße nach Norden stießen, ging es quasi im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit auf gutem Asphalt die letzten 80 km über die Ausläufer des Anti-Atlas nach Ouarzazate.

(ok, ich sehe es auch… in Spanien wird wieder abgenommen… 🙂  )

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