Anleitung zum Autofahren in Marokko…

Das Recht des Stärkeren:

Kleine Straße: Manche Straßen sind etwas eng für Gegenverkehr.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten

a) Wenn etwas Größeres, Stärkeres entgegen kommt, zügig nach Rechts auf den Schotter oder was immer dort an der Straße ist ausweichen, anhalten und warten bis der vermeintlich Stärkere vorbei gezogen ist.

b) Wenn etwas kleiner, schwächer ist als das eigene Fahrzeug. Hier gilt, noch breiter machen als man eh schon ist. Gerne auch mal mit eine kurzen Schlenker nach links antäuschen dass man die gesamte Spur für sich benötigt und hoffen, dass der andere in diesem Falle zur Seite fährt und Platz macht.

Macht er dies jedoch nicht, tritt das beschriebene Verhalten von a) in Kraft, nur um Beschleunigungsfaktor 10, mit anderen Worten, Vollbremsung, rechts ran und warten…

Die Hupe:

Hupen sind zum Hupen da. So zumindest wird es hier gehandhabt.

Der beliebteste Einsatz der Hupe ist, an eine roten Ampel stehend, schon mal die Hupe ein- oder gerne auch mehrfach zu betätigen, um den Vordermann darauf hinzuweisen, das gleich die noch Rote Ampel ja auf Grün umspringen könnte.

Hier heißt es „locker machen“, wie immer in Marokko und gemütlich losfahren, wenn die Ampel auch tatsächlich grün zeigt.

Der Mittelstreifen:

Der Mittelstreifen in Marokko dient nicht etwas dazu, zwei Spuren in eine Richtung von einander zu trennen, sondern als Orientierung für eine Fahrt auf der Mitte der Straße.

Besonders einfach haben es hier die Mercedesfahrer, denn dank Stern können sie den Streifen besser als alle anderen anvisieren.

Aber auch wer keine „Sternhilfe“ hat, versucht stets die Mitte der Straße zu treffen, ist nur eben nicht so genau.

Anzahl der Fahrspuren:

In Städten findet man in aller Regel 2 Fahrbahnen in jeder Richtung vor. Zumindest auf den Hauptstraßen. Rechts daneben ist häufig eine Art Parkstreifen zu finden. Zumindest sieht es so aus als wäre es ein Parkstreifen, da es sich hier nur um eine „halbe Spurbreite“ handelt die zudem mit vielen kurzen weißen Streifen von der eigentlichen Spur getrennt ist.

Nun scheint dieser Parkstreifen jedoch gar keiner zu sein. Zumindest wird er von keinem so genutzt, sondern dient als dritte Spur. Wenngleich auch etwas enger Spur.

Gewöhnt man sich erst mal an diese Enge, lässt es sich auf dieser Spur deutlich schneller voran kommen als auf den anderen. Und wenn es mal zu eng wird, entweder Hupen, oder mal vorsichtig mit dem Außenspiegel beim Nachbar anklopfen, der macht dann schon Platz.

Das Blinken:

Rechts blinken, rechts fahren – das gilt  nicht in Marokko. Blinker werden gerne wahllos gesetzt, und abgebogen wird dort und dann wenn Allah den Weg zeigt und Allahs Wege sind oft unergründlich.

Gerne wird der Blinker auch mal über Kilometer vergessen und leuchtet wahlweise fröhlich links oder eben rechts.

Mit anderen Worten, der Blinker ist hier völlig überflüssig, eigentlich sogar irritierend. Und weil er im Zweifel irritiert, setzen auch nur wenige den Blinker „vorsätzlich, also bewußt“ ein und biegen halt ab, wenn die eben abbiegen, wohin und wann auch immer.

Fallgruben und die Dunkelheit:

Wenn man sich mit dem Auto auf den Straßen Marokkos bewegt sollte mein stets höchst wachsam sein. Klar, dass sollte man immer, auch auf deutschen Straßen, nur kommen in Deutschland riesige Schlaglöcher eher selten auf Autobahnen oder Landstraßen vor.

Wer zu seinem Vordermann nur geringen Abstand hält, sollte zumindest dessen Spur folgen, denn auch dieser hat in aller Regel wenig Interesse in eines der Löcher zu brettern.

Wer ordentlich Abstand hält, was nicht ganz einfach ist, denn diese Lücke wird gerne als Aufforderung zum Überholen verstanden, um sie wieder zu schließen, der hat gute Chancen frühzeitig den Slalom um die Fallgruben einzuleiten.

Wer auf Warnhinweise oder ähnliches wartet, der wartet vergebens. Es gibt keine. Im besten Falle kurz vor einem Schlagloch ein paar aufgetürmte Kieselsteine, als Warnung…

Und wo wir gerade bei Hindernissen sind:

Eselskarren, Fahrräder, viele Mofas und natürlich Fußgänger und Tiere wie Ziegen und Hunde sind Nachts nicht beleuchtet. Das hindert sie jedoch nicht daran die unbeleuchteten Landstraßen zu nutzen. Und da neben der Straße nur holpriger Schotter ist wird selbstverständlich der Asphalt genutzt, gerne auch mal mittig der Straße… wir erinnern uns „der Mittelstrich dient zum Treffen der Mitte der Fahrbahn“.

Von daher sollten Nachtfahrten besser vermieden werden, es sei denn man hat ein paar Hundertwatt Zusatzscheinwerfer wie manch Expeditionsmobil auf dem Dach. Damit lässt sich die Nacht natürlich bestens zum Tage machen… nur wer hat das schon…

Die Polizei, im Allgemeinen:

Nicht mal in Sri Lanka gab es derart viele Polizeikontrollen und das heißt schon was. In aller Regel steht vor und nach jedem Dorf mindestens ein Polizist, gerne auch mal zwei.

Üblicherweise kontrollieren sie die einheimischen Fahrzeuge. Was genau sie dabei  machen bleibt für uns jedoch ein Geheimnis. Touristen zumindest werden in 99% aller Fälle einfach durch gewunken.

Sie bleiben sogar freundlich, wenn man nicht an der Kontrolle anhält (was scheinbar vorgeschrieben ist um auf Handzeichen zur Weiterfahrt zu warten) sondern einfach (versehentlich!) durch die Kontrolle brettert.

Außer einem energischen aber irgendwie freundlich klingendem Trillerpfeifenton ist nichts zu vernehmen, zumindest ist uns keiner auf seinem Motorrad hinter gejagt…

Die Polizei, manchmal dann doch:

So klein die Chance auch ist, aber manchmal trifft man doch die geringe Chance angehalten zu werden. Die Polizei will nichts Böses und nach kurzem Vorzeigen des Reisepasses, versuchen sie schnell ein Gespräch in Gang zu bringen. In unserem Falle fragte der Polizist was unsere „Profession“ sei. „Marketing“ antworteten wir spontan. Und damit wurde zugleich die „Isabell & Oliver Sprachschule“ gegründet, wie sich Sekunden später herausstellen sollte.

Der Polizist kannte offensichtlich das Wort „Marketing“ nicht und auch des englischen war er nicht mächtig. Also wiederholte er. Von uns unzählige Male korrigiert: „Maaaakiti“. Mekeeeeti. Märketan. Maketan“ und so weiter und so weiter.

Irgendwann, als er dachte er hätte es mit „Meketing“ halbwegs richtig ausgesprochen gab er uns unsere Pässe zurück und wünschte lächelnd eine gute Reise…

Die Polizei, selbst schuld:

Neben den unzähligen Polizeikontrollen gibt es fast ebenso viele Geschwindigkeitskontrollen. Wir schätzen, dass ganz Deutschland nicht so viele Blitzer hat, wie man hier auf 100km trifft.

Dabei handelt es sich nicht um die im Allgemeinen bei uns weithin sichtbaren Starrenkästen, sondern um die fiesen kleinen mobilen Blitzer, mit denen bewaffnet die Polizei am Seitenstreifen lauert.

Hier kann man trefflich beobachten welchen kindlichen Spaß Männer an elektronischen Geräten entwickeln…

Wir können daher nur dringend raten, sich tunlichst an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten, es sei denn man hat 400Dirham zu viel, dass sind ganz grob gesagt 40 Euro.

40 Euro kann man auch bestens beim Überfahren eines Stopp-Schildes los werden. Uns so geschehen als wir den Weg Richtung Süden suchten, nur leider sämtliche Verkehrsschilder von irgendwem abmontiert wurden. Eine Sekunde bei der Suche nicht aufgepasst, Stopp-Schild überfahren, 50Meter weiter von der allgegenwärtigen Polizei angehalten und 400 Dirham gezahlt. Wir hatten kurz überlegt ob wir verhandeln sollen, denn das geht durchaus in diesem Land und den meisten anderen nicht westlichen Ländern. Keine Quittung und schon zahlt man die Hälfte oder was auch immer man ausgehandelt hat, aber da wir Bestechung aus tiefstem Herzen verabscheuen und das das wesentliche Problem dieser Länder ist und wir es nicht fördern werden, nennen wir nun eine schweine-rosa 400 DH Quittung unser Eigen, quasi ein echtes marokkanisches Souvenir.

Die wirkliche Gefahr:

Im Grunde ist das Fahren auf Marokkos Straßen, hat man erst mal die oben genannten „Regeln“ verstanden recht simpel.

Nur vor zwei Zeitgenossen muss man sich in Acht nehmen:

Überland-Taxis und LKWs.

Beide sind tatsächlich völlig unberechenbar und eröffnen auf einer Landstraße mit je einer Spur pro Richtung auch gerne mal eine 2. und 3. Spur, in eine Richtung…

Und diese muss nicht immer links des Überholten sein…

Wer also sich mit dem Gedanken trägt Marokko mit dem eigenen Auto zu bereisen, Mietwagenfahrern dürften die Regeln wohl ziemlich egal sein, der hat so gute Chancen, heil die vielen Hundert, wenn nicht tausende Kilometer auf Marokkos Straßen zu überstehen.

Nur vor Plattfüßen können auch diese Regeln nicht helfen. Gegen Nägel, Schrauben oder was sich sonst so aus Eselkarren und ähnlichem lösen kann, davor ist man nie gefeiht. Aber der ADAC hilft gerne weiter, wenn man „am Ball“ bleibt.

In diesem Sinne, gute Nacht 😉