Fischland und Darss – Natur und Ruhe garantiert!

Wir rollen weiter Richtung Osten. Die Regionen Fischland und Darss bilden zusammen mit Zingst eine Halbinsel. Diese liegt zwischen Rostock und Stralsund und ist mit 45 Km Länge die größte Halbinsel Deutschlands.

Zuerst kommen wir nach Fischland, die Gegend im Westen, an der schmalsten Stelle der Halbinsel. Sofort fällt auf, hier ticken die Uhren anders. Viel Ruhe, viel Natur, wenig Bebauung. Die Orte klein bis winzig. Alles wirkt sehr idyllisch, kleine Lädchen, die meisten Häuser sind reetgedeckt. Wir fühlen uns streckenweise ein wenig an Sylt erinnert (nur noch ruhiger und gänzlich ohne die fiese Bebauung von Westerland 😉

Wustrow bietet einen Kitespot (kurz vor dem Ort), mit sehr praktischem Parkplatz direkt hinter dem Damm. Der Wind kommt aus West, ist extrem böig. Wohl auch der Grund warum kein Kite zu sehen ist. Wir sind erstaunt, welche Wellen die Ostsee aufbringen kann! Wustrow selbst ist ein Mini-Ort, dessen Geschäfte sehr verteilt liegen, so dass wir einen (ungewollten) ausgedehnten Fußmarsch bis zur Seebrücke machen. Oli ersteht dort ein neues „Spielzeug“ für Leichtwind-Tage, einen Vier-Leiner-Drachen (Mosquito).

Es folgt das Örtchen Ahrenshoop, ebenfalls klein und malerisch mit vielen Reethäusern, ebenfalls mit ausreichend Parkangebot direkt am Damm. Und schon sind wir in der Region Darss, was landschaftlich wenig ändert, außer dass die Straße nun durch waldreiches Gebiet geht. Wir wollen Rast in Born machen. DAS Kiterevier der Region liegt an der Bodden-Seite und ist damit was für Flachwasser-Freunde. Das Revier scheint brauchbar, aber wir sind etwas enttäuscht von dem Ort – winzig ist gar kein Ausdruck, kein Zentrum, nur Wohnhäuser und ein Mini-Hafen. Der böige Wind ist nichts für uns, also rollen wir weiter gen Norden nach Prerow. Endlich ein größerer Ort (für Darsser Verhältnisse), eine längere Straße zieht sich durch das Dorf, gesäumt von Geschäften und Cafes. Parken kann man hinter oder vor dem Ort… ach, hätten wir nur die Räder dabei 😉

Der letzte Ort der Fischland-Darss-Tour ist Zingst, im Westen. Das Zentrum ist wieder winzig, dafür gibt es eine Kiteschule mit angeschlossenem Stellplatz direkt am Damm. Wir verstehen nun, warum viele von der Region Fischland-Darss als Kiterevier schwärmen. Bei guten Windverhältnissen bieten sich eine Reihe toller Spots – vorausgesetzt man mag viiiiel Ruhe.

Den Abschluss bildet Saal, nicht mehr auf Fischland-Darss, aber am Bodden, an seiner südlichen Küste. Spontan denken wir: ist ja wie Workum zu seinen guten Zeiten! Parken direkt am Spot, Stehrevier ohne Ende, und dazu (entgegen heutiger Workum-Verhältnisse) viel Platz auf dem Wasser (dürfte bei besserem Wind aber auch anders sein). Leider keine Infrastruktur, aber man kann ja nicht alles haben.

Tja, wenn es von uns/vom Ruhrgebiet nicht so weit wäre, könnte die Gegend Fischland-Darss unser neues Lieblings-Kiterevier und eine echte Alternative zu Holland sein!

Ostsee-Tour durch die Seebäder Meck-Pomms…

Von Wismar kann man gemütlich über die Landstraßen die Küste entlang tingeln. Unser erster Stop ist Kühlungsborn. Die Ortsschilder sagen Kühlungsborn-Ost und Kühlungsborn-West. Mh… Wir sind erstaunt das K. so groß ist dass es überhaupt Ost und West gibt. Und wo ist jetzt bitte das Zentrum? Da wir aus Westen kommen, schlagen wir uns einfach von West nach Ost durch. An der sehr langen Küstenstraße geht es vorbei an ein paar Restaurants und Shops. Dies ist bezeichnend für die Orte in der Gegend: sie sind oft sehr „zerstreut“, Geschäfte verteilen sich nicht selten auf 1-2 Kilometer (das erleben wir später in Wustrow und Prerow erneut). Fahrräder oder gute Wanderschuhe + Ausdauer sind daher unausweichlich. Ein einziges Zentrum gibt es hier offenbar nicht, also bleiben wir einfach in K.-Ost, und laufen einmal die kleine Einkaufsstraße auf und ab. Natürlich gibt es die obligatorische Seebrücke, viele Strandkörbe und ausreichend Fischläden. Oli schiebt sich  begeistert einen frischen Kräuter-Matjes in den Mund, während ich die fettige Backfisch-Variante bevorzuge…

Nächster Halt ist in Heiligendamm – den meisten wohl spätestens seit dem unrühmlichen G8-Gipfels bekannt. Das älteste Seebad Deutschlands wird auch die „Weiße Stadt am Meer“ genannt. Der Ort ist in der Tat weiß und wirklich schräg. Es ist kaum was los, alles wirkt steril, fast ein wenig verlassen, ohne Leben. Nur wenige Spaziergänger schlendern auf dem Damm. An der Promenade stehen 3 oder 4 große, raus geputzte, weiße Gebäudekomplexe (Hotels u.ä.), dazwischen, total unpassend, eine Zeile von 6-7 Villen, schöne Architektur aber komplett unsaniert, man könnte sagen unbewohnte Ruinen. Ein Plakat weist darauf hin dass die alten Villen bald hergerichtet werden sollen. So so. Man fragt sich, warum dies scheinbar schon über 20 Jahre dauert, bei der exponierten Lage… Das war‘s, mehr gibt es hier eigentlich nicht zu sehen. Irgendwie skurril.

Der Tag endet in Graal-Müritz, auf einem ruhigen Stellplatz im Grünen (Camper 9,-€/24 Std. ohne V/E, Parkplatz schließt direkt an das Aquadrom an). Wir wollen noch fix was einkaufen, unterschätzen aber die Entfernungen, da der Ortskern weiter von der Seebrücke liegt als gedacht. Nach 30 Minuten Fußmarsch ohne Supermarkt kapitulieren wir. Dann gibt es eben das was der Kühlschrank (oder der Vorratsschrank) hergibt…

Backstein, Karstadt und Schweden in Wismar…

An der Ostseeküste geht es bis zur Hansestadt Wismar. Eine Stadt nach unserem Geschmack! Mit knapp 45.000 Einwohnern von angenehmer Größe, eine wirklich beschauliche Altstadt, ein sehr kleines, aber gemütliches Hafenviertel mit Fischbuden und Lokalen, und ein perfekter, gut organisierter Stellplatz (Westhafen, 9€/24 Std.) in direkter Altstadtnähe.

Mitten in der Altstadt findet man neben den restaurierten, anschaulichen Häuserfassaden das Stammhaus der Karstadt AG – hier gründete Rudolph Karstadt 1881 sein berühmtes Kaufhaus. An vielen Stellen gibt es Zeugnisse der Zeit, als Wismar zu Schweden gehörte (1648 bis 1803), wie zum Beispiel das auffallende Backsteinhaus „Alter Schwede“ am großen Marktplatz (angeblich einer der größten Marktplätze in Norddeutschland). Backsteingebäude sind ohnehin das „Markenzeichen“ der Stadt, immer wieder tauchen sie auf, ob als Wohn-/Geschäftshaus oder als Kirche.

Die Altstadt ist schnell erkundet, und zum Tagesabschluss gönnen wir uns ein sehr un-norddeutsches Essen: Chinesisch. Nach Gut-Bürgerlich und Fisch ohne Ende auch mal wieder schön. Das Restaurant liegt keine 500m Fußweg vom Stellplatz, und bietet uns die beste Ente die wir seit langem gegessen haben 🙂