„Jaaaa, der Chiaaanti-Wein…

…der läääädt uns aaaaalle ein…“ Oli singt seit Tagen nichts anderes. 😉

Klar, dass wir in der Toskana auch einen Abstecher in das berühmte Weingebiet des Chianti machen. Vom Camping in Siena geht direkt die Straße 408 ab, die sogenannte „Chiantigiana“. Und die führt genau dorthin. Wieder geht es durch die hügelige Toskana-Landschaft. Diesmal allerdings deutlich grüner, noch mehr Weinhänge. Hier ein Anwesen, da ein alter Hof. Ne, wat schöööön! Die Straße ist kurvig, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit würde ein trainierter Rennradfahrer vermutlich überbieten, aber die Strecke ist dennoch gut zu fahren. Man muss halt einfach mehr Zeit einplanen.

Erstes Weindorf ist Radda in Chianti. Wahrhaftig ein Dorf. Ein so verschlafenes Nest hätten wir nicht erwartet. Aber dabei total süß. Eine kleine Hauptgasse, mit ein paar Weinläden, ein paar Cafes. Das war‘s. Ruhe pur. Alles ist sehr still und friedlich. Findet wir ja gerade ziemlich klasse 🙂

Zweiter Chianti-Stop ist Greve in Chianti. Statt Weindorf eher ein kleines Weinstädtchen. Wir parken in einer Seitenstraße im Wohngebiet und laufen ins Zentrum. Das besteht mehr oder minder nur aus einem mittelgroßen Platz mit Arkadengängen drumherum, wo man – was wohl? – Wein und Souvenirs kaufen kann. Nett, aber Radda hat uns irgendwie besser gefallen. Ist halt mehr ein typisches Weindorf.

Das Kurbeln auf den kurvenreichen Straßen der Toskana reicht für heut. Genug Weinfelder, Weindörfer, Weinläden. Wir wollen den Rest der Toskana für einen späteren Urlaub lassen, und schlagen den Weg Richtung Küste ein.

Das Thema Übernachtungsplatz gestaltet sich schwierig denn die Gegend um La Spezia ist von Steilküste geprägt, das heißt die meisten Plätze sind nicht für große Mobile gemacht. Das steht im Campingführer, und das mussten wir auch spüren als wir uns über eine schmale Küstenstraße quetschten um zu einem Camping zu kommen – der dann tatsächlich voll ausgebucht war! Grrrrr! Also sind wir noch ein Stück weiter nach Portovenere, wo es einen Stellplatz gibt. Schon mit der Befürchtung, dass wir dort entweder nicht reinkommen (weil zu eng) oder der Platz voll ist, werden wir überrascht: der Platz liegt ganz nett auf einer Anhöhe, nur 2000 Meter von Portovenere entfernt (zu Fuß machbar), und hat auch einen Platz für uns. Morgen heißt es dann, Portovenere besichtigen…

Ruhe und Idylle in der Toskana…

So voll und überlaufen die Küste, so ruhig und idyllisch ist das Landesinnere der Toskana. Wirklich erstaunlich, wie ruhig es wird, wenn man ein paar Kilometer von der Küste abrückt. Eine ganz andere Welt… Von Vada ging es über Volterra nach San Gimignano. Die Landschaft ist so wie man sich die Toskana vorstellt: leicht hügelig, unzählige Weinfelder, dazwischen Zypressen und Pinien, kleine und große Höfe und Anwesen. Wirklich malerisch. Jetzt im August ist es allerdings auch ziemlich trocken, so dass viele Felder statt in saftigem grün nun in blassem braun und beige flimmern. Trotzdem sehr nett.

San Gimignano ist das schönste Städtchen was wir seit langem gesehen haben. Natürlich UNESCO-Kulturerbe. Eine wirklich sehenswerte  Altstadt, mit haufenweise Spezialitätengeschäften, vielen Weinläden und kleinen Plätzen. Später lesen wir noch dass der Ort auch „Manhatten des Mittelalters“ genannt wird, das aufgrund seiner Türme. 15 der damaligen 72 Geschlechtertürme stehen noch. 218 Stufen erklimmen wir auf einen der Türme im Zentrum, und haben einen sensationellen Blick über das weite Land der Toskana. Klar, auch hier schieben sich die Touris durch, aber irgendwie verteilt es sich trotzdem ganz gut, alles wirkt ganz ruhig und beschaulich. Zum Abschluss gibt es ein Eis beim „Eis-Weltmeister“. Der Titel scheint zu wirken, die Schlange ist lang. Das Eis – keine Sensation aber sehr lecker 😉 Ach ja, ein Souvenir kaufen wir auch noch, ein kleiner Pinocchio. Der Erfinder des kleinen Manns mit der langen Nase kommt nämlich aus der Toskana…

Tagesziel ist Siena. Die Parkplätze sind alle dicht, und der ausgeschilderte Stellplatz liegt weit außerhalb. Also geht’s auf den Camping Colleverde (Lage ok, im Wohngebiet, 2km vom Zentrum entfernt; netter, ordentlicher, ruhiger Platz mit den besten Sanitäranlagen seit Beginn der Reise!). Siena steht San Gimignano in nichts nach, obwohl Siena als Stadt natürlich viel größer ist. Dennoch wirkt der Kern sehr beschaulich und gemütlich. Nicht umsonst gilt sie als eine der schönsten Städte der Toskana und Italien. Lange, schmale Einkaufsgassen, der große Platz Piazza del Campo, auf dem sich Jung und Alt treffen, der Dom mit seiner auffälligen weißen Fassade – all das macht Siena zu einer wirklich tollen und sehenswerten Stadt. Lebendig aber nicht voll oder laut. Überall findet man Bilder und Fotografien des berühmten Pferderennens Palio di Siena das im Zentrum ausgetragen wird. Das haben wir leider gerade verpasst. Insgesamt ist Siena nicht zu groß, eine unschöne Peripherie gibt es folglich so gut wie nicht. Uns hat Siena positiv überrascht! Ein unbedingtes Muss für einen Toskana-Urlaub.

Neben den schönen Toskana-Dörfern und –Städten freuen wir uns auch über die Temperaturen. Die sind nämlich mittlerweile auf „normales“ Niveau gesunken. Was bedeutet, tagsüber sonnig und warm bis heiß, abends kühler und damit auch nachts zum schlafen kalt genug. Wir waren richtig erstaunt, als wir abends während der Rückfahrt von der Altstadt auf dem Roller erstmalig seit Monaten (!) wieder ganz leicht gefröstelt haben.