Die Küste runter ins Gargano…

… Von Porto Recanati rollen wir die SS16 (Küstenstraße) Richtung Süden. Sofort fällt uns wieder das Hauptmerkmal (und auch Problem) dieser Gegend auf: die Bahnlinie. Die läuft hier hunderte Kilometer direkt am Strand entlang. Heißt selbst wenn man hier in einem schönen Hotel ist oder eben auf einem Camping am Meer steht, fährt die Bahn geräuschtechnisch quasi durch dein Schlafzimmer. Und die fährt ziemlich häufig. Die Küstenstraße führt uns durch mehrere Kleinstädte, typisch italienisch, ein bißchen lauter, ein bißchen chaotisch. Irgendwann wechseln wir auf die deutlich schnellere Autobahn.

Wir fahren bis runter ins Gargano, da auf der Strecke keine für uns nennenswerten Ziele liegen. Bei Foce Varano nehmen wir ein kleines Bad im kühlen Nass. Die Tages-Temperaturen liegen immer noch bei ca. 35-38 Grad. Die Abkühlung wird aber eine echte Überraschung, denn das Wasser ist hier so unglaublich warm, dass wir uns einig sind, das wir noch nie im Leben so ein Badewannen-Meerwasser erlebt haben. Wir schätzen es auf 27 Grad, wenn nicht mehr. Unglaublich!

Weiter geht es durch das Landesinnere des Gargano. Durch die schönen ruhigen Wälder, vorbei an unzähligen Olivenbäumen. Die Strecke ist bergig und kurvenreich, aber sehr idyllisch. Peschici, das Küstenstädtchen, liegt vor uns, aber alles ist rappel voll. Selbst die beiden Stellplätze. Wir fahren noch bis zum Camping Spiaggia Lunga, in der beliebten Surf-/Kitebucht. Leider gibt es keinen freien Zugang zum Strand, sondern nur über einen der Campings. Hier erwischt uns dann der italienische Hochsaison-Hammer endgültig. Die komplette Bucht voll mit Sonnenschirmen und Menschenmassen, dazu die Handtuch- und Handtaschenverkäufer. Ja, so hatten wir uns die Hochsaison vorgestellt, irgendwie. Auch mal interessant zu sehen. Der Camping ist natürlich auch voll, wir reihen uns in die Womo-Armada ein. Die Zeit spielt für uns, und bald müssen die Italiener Gott sei Dank wieder arbeiten 😉 Die Animation geht bis in die Nacht, so schlafen wir mit Tanzmusik, DJ-Rufen und Kinder-Karaoke im Ohr irgendwann ein…

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15 Runden im Kreis…

… Die letzte Fährfahrt (Stockholm – Tallinn) haben wir noch in sehr guter Erinnerung (klasse Schiff in gutem Zustand, fast schon Kreuzfahrtschiff, super Service, alles bestens). Die Fähre Jadrolinja von Kroatien nach Italien war leider das komplette Gegenteil. Da werden die Camper besonders bestraft, wenn auch unabsichtlich.

Denn sie werden als allerletztes eingeladen (wohl logistische Gründe), was dazu führt, das man auch als letzter auf’s Deck kommt. Das wär ja nicht schlimm, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Sitzplätze offenbar nicht ausreichen. Alle, wirklich alle Plätze sind belegt. 99% von italienischen Großfamilien die gleich ganze Reihen und Sitzgruppen beschlagnahmt haben. Und diese natürlich die komplette Überfahrt nicht verlassen, bzw. wenn sie sie verlassen, einen Gegenstand als Reservierung hinterlassen. Klever!

Nachdem wir wirklich keinen einzigen freien Platz ausmachen können, bleibt nur der Boden. Auf die Idee sind schon andere gekommen, so ist auch der Boden schon gut belegt. Wir kommen uns ein wenig vor wie auf einem Flüchtlingsschiff, wenn man die Leute so mit ihren Decken auf dem Boden liegen sieht. Es hilft nichts, 6 Stunden stehen geht nicht, und nach 15 Runden im Kreis über beide Decks bleibt keine Möglichkeit außer mitten in den Gang setzen. So hocken wir uns also 2 Stunden auf dem harten Linoleumboden. Danke an das Nokia Handy, das ein simples Golf-Game bereithält, welches uns die Zeit vertrieben hat. Aber der Po schmerzt irgendwann, ja, man wird nicht jünger… 😉 Die restliche Zeit bis 18 Uhr verbringen wir dann mit Stehen, Laufen, oder Essen.

Na, denken wir, dann kommen wir wenigstens als erste raus. Von wegen. Denn es fahren wieder zuerst die PKWs, und als allerletztes die Camper, also wir. Neben der Verspätung von 1 Stunde ergibt sich somit noch die Wartezeit bis alle raus sind, und so befahren wir italienischen Boden 1,5 Stunden später als gedacht.

Von Ancona geht es noch fix ein paar Kilometer bis Porto Recanati, wo sich ein Stellplatz befinden soll. Überraschung, denn der existiert dort nicht mehr – stattdessen hat man einen neuen gebaut  (wenigstens etwas). Leider liegt dieser nun nicht mehr am Meer. Schade aber egal, für heut genug und mit 10 Euro wirklich günstig.