Das KGB in der Mitte Europas…

… Vilnius als die litauische Hauptstadt begrüßte uns bei der Einfahrt mit unerwartet modernen Hochhausbürogebäuden. Irgendwie hat man hier am östlichen Ende kurz vor Weißrussland etwas anderes erwartet. Ist natürlich völliger Unsinn, war doch Litauen der erste der drei baltischen Staaten der sich als unabhängig von Russland erklärte.

Unser Weg bei auf Volldampf laufender Klimaanlage führt zum stadtnahen Campingplatz, der, noch mehr als der in Riga, an einen umzäunten Parkplatz erinnert. Idyll sieht anders aus, aber wir wollten hier ja auch keinen Sommerurlaub verbringen sondern nur eine Stadtbesichtigung machen.

Am nächsten Morgen ging es also mit dem Roller in die ca. 5 km entfernte Stadt. Und wieder bot sich ein ungewohntes Bild. Statt moderner Bürogebäude stehen wir plötzlich in einer hell und großzügig wirkenden Altstadt. Keine Museumsstadt wie Tallin sondern lebendig und schön ohne extra „zurecht gemacht“ zu wirken.

Sehr interessant ist hier vor allem die Republik Uzupis. Ja, eine eigene Republik mitten in Vilnius. 2000 Bewohner, vorrangig Künstler, leben in einem eigenen Stadtteil. Dort haben sie einen eigenen Pass, eigene Briefmarken, eine eigene Zeitung, einen Präsidenten und Bischof und eigenen Botschafter in Moskau. Und natürlich eine eigene Verfassung – die mit 41 Artikeln auf einer Hauswand zu lesen ist. Da findet man z.B. den Artikel 12 „Ein Hund hat das Recht ein Hund zu sein“ oder Nr.4 „Jeder hat das Recht, Fehler zu machen“. Das Cafe am Fluss dient als Regierungssitz. Und der Unabhängigkeitstag der Republik ist – klar, der 1. April.

Hier in Vilnius wird man wieder Zeuge der offensichtlich großen Religiosität der Litauer. Vilnius verfügt über unzählige Kirchen (die Stadt wird auch „Stadt der Kirchen“ genannt) und jede die wir gesehen haben war derart voll, dass die Menschen bis auf die Straße standen. Ganz gleich ob jung ob alt, der Kirchgang scheint zum Sonntag dazuzugehören wie bei uns früher der Sonntagsbraten.

Und auch DAS Ziel der Gläubigen, das Tor der Morgenröte, mit der „Barmherzigen Muttergottes“ ist heute mehr als gut besucht. (Der vergoldete Rahmen gilt als wundertätig, seit er eines Nachts über die Stadt schwebte – so so…)

Aber was hat all dies nun mit dem KGB und der Mitte Europas zu tun?

Unmittelbar angrenzend an den prachtvollen Boulevard Gedimino steht noch heute das Haus in dem der russische KGB residierte, Gespräche abhörte, Menschen verhörte, in den Zellen im Keller einsperrte, folterte und auch tötete.

Das KGB Museum ist definitiv ein Besuch wert. Da hier einerseits die Okkupation durch Russland bis zur Unabhängigkeit Litauens dokumentiert ist, und noch eindrucksvoller die Machenschaften des KGB in den original Räumen höchst anschaulich gezeigt werden.

(leider waren Fotos verboten)

Womit wir auch schon zur Mitte Europa kommen, denn ca. 25 Kilometer nördlich des KGB Hauptquartiers und Vilnius liegt die geografische Mitte Europas, wie französische „Vermesser“ herausgefunden haben. Nun fasziniert dieser Ort bei weitem nicht so wie zum Beispiel die Überquerung des Polarkreises in Norwegen. Und doch ist man erstaunt, dass hier die Mitte Europas sein soll, die man doch vielmehr süd-westlich vermutet hätte. So kann man sich täuschen.

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