Auspuff die wievielte….?

Wir rollten nunmehr 500 Kilometer auf Polens mal guten, mal schlechten Straßen als unser Womo sich plötzlich anhörte wie ein marokkanischer LKW, wahlweise auch deutscher Bagger.

Man musste kein Prophet sein um zu wissen was passiert war. Wieder einmal der Auspuff, nur dieses Mal hat sich nicht das in Lettland geschweißte Endrohr verabschiedet, sondern das Rohr was direkt aus dem Motor in den ersten Topf führt. Sensationeller Sound.

Mittlerweile wissen wir, dass nicht jede Werkstatt unser 4,5 Tonnen Mobil hochhieven kann, so haben wir beim ADAC ein paar relevante Werkstätten abgefragt.

Letztlich haben wir uns für einen großen Fiathändler bei Katowice entschieden und fuhren, nachdem wir das Rohr notdürftig am Topf angebunden hatten, damit es nicht vollständig vom Motor abreißt weitere 200 Kilometer auf den Campingplatz in Katowice.

Der Camping mit dem originellen Namen „Nr. 215“ ist in einem Wald direkt an der Autobahn und einem Sportflughafen gelegen. Trotz dieser Tatsache haben wir hier eine halbwegs ruhige Nacht verbracht  –  zuvor haben wir uns noch im nagelneuen Pool des Platzes abgekühlt, was bei der aktuellen Hitze kaum zu bezahlen ist.

Am nächsten Morgen standen wir dann pünktlich um 9 Uhr auf der Matte der niederlassungsartigen Fiatwerkstatt. Die junge Dame an der Kasse war so nett und übersetzte unser Anliegen von Englisch auf Polnisch, 2 Stunden später und 60 EUR ärmer war das Rohr repariert, jedoch nicht ohne Hinweis, dass wir die Anlage alsbald erneuern lassen sollten. Hätte man es uns vorher gesagt, hätten wir dies auch an Ort und Stelle gemacht, so aber hoffen wir einfach mal dass wir bis zum Ende unserer Reise keine weiteren Überraschungen mehr erleben um dann im November dem Womo seine wohlverdiente Rundumerneuerung zu gönnen.

Russische Statuen und der letzte Camping in Litauen…

… unser Weg führte uns von Vilnius über recht gute Straßen Richtung Süden und damit Richtung Polen.

An der Straße sieht man unzählige Menschen sitzen, die die frisch gepflückten Schätze des Waldes wie Beeren und Pilze hier zum Kauf anbieten.

Im Ort Grutas machen wir einen Zwischenstopp und wandern durch das dortige Museum Grutas Park. Nach der Unabhängigkeit Litauens war man geneigt die russischen Symbole der Macht zu entsorgen. Ein litauischer Millionär hingegen sah die Sache anders und kaufte überall im Lande diese Symbole, zumeist Statuen, auf, ließ sie in einem Park wieder aufstellen und machte aus dem ganzen ein Museum. Ein interessanter Spaziergang durch die alten Symbole Russlands.

Der heutige Übernachtungsplatz liegt  in litauischen Heilbad Druskininkai, auf dem Campingplatz Druskininkai Camping (netter Platz, gott sei Dank mit viel Schatten). Der ist unser letzter in Litauen, denn am nächsten Tag geht es nach Polen mit Ziel Krakau und Ausschwitz.

Das KGB in der Mitte Europas…

… Vilnius als die litauische Hauptstadt begrüßte uns bei der Einfahrt mit unerwartet modernen Hochhausbürogebäuden. Irgendwie hat man hier am östlichen Ende kurz vor Weißrussland etwas anderes erwartet. Ist natürlich völliger Unsinn, war doch Litauen der erste der drei baltischen Staaten der sich als unabhängig von Russland erklärte.

Unser Weg bei auf Volldampf laufender Klimaanlage führt zum stadtnahen Campingplatz, der, noch mehr als der in Riga, an einen umzäunten Parkplatz erinnert. Idyll sieht anders aus, aber wir wollten hier ja auch keinen Sommerurlaub verbringen sondern nur eine Stadtbesichtigung machen.

Am nächsten Morgen ging es also mit dem Roller in die ca. 5 km entfernte Stadt. Und wieder bot sich ein ungewohntes Bild. Statt moderner Bürogebäude stehen wir plötzlich in einer hell und großzügig wirkenden Altstadt. Keine Museumsstadt wie Tallin sondern lebendig und schön ohne extra „zurecht gemacht“ zu wirken.

Sehr interessant ist hier vor allem die Republik Uzupis. Ja, eine eigene Republik mitten in Vilnius. 2000 Bewohner, vorrangig Künstler, leben in einem eigenen Stadtteil. Dort haben sie einen eigenen Pass, eigene Briefmarken, eine eigene Zeitung, einen Präsidenten und Bischof und eigenen Botschafter in Moskau. Und natürlich eine eigene Verfassung – die mit 41 Artikeln auf einer Hauswand zu lesen ist. Da findet man z.B. den Artikel 12 „Ein Hund hat das Recht ein Hund zu sein“ oder Nr.4 „Jeder hat das Recht, Fehler zu machen“. Das Cafe am Fluss dient als Regierungssitz. Und der Unabhängigkeitstag der Republik ist – klar, der 1. April.

Hier in Vilnius wird man wieder Zeuge der offensichtlich großen Religiosität der Litauer. Vilnius verfügt über unzählige Kirchen (die Stadt wird auch „Stadt der Kirchen“ genannt) und jede die wir gesehen haben war derart voll, dass die Menschen bis auf die Straße standen. Ganz gleich ob jung ob alt, der Kirchgang scheint zum Sonntag dazuzugehören wie bei uns früher der Sonntagsbraten.

Und auch DAS Ziel der Gläubigen, das Tor der Morgenröte, mit der „Barmherzigen Muttergottes“ ist heute mehr als gut besucht. (Der vergoldete Rahmen gilt als wundertätig, seit er eines Nachts über die Stadt schwebte – so so…)

Aber was hat all dies nun mit dem KGB und der Mitte Europas zu tun?

Unmittelbar angrenzend an den prachtvollen Boulevard Gedimino steht noch heute das Haus in dem der russische KGB residierte, Gespräche abhörte, Menschen verhörte, in den Zellen im Keller einsperrte, folterte und auch tötete.

Das KGB Museum ist definitiv ein Besuch wert. Da hier einerseits die Okkupation durch Russland bis zur Unabhängigkeit Litauens dokumentiert ist, und noch eindrucksvoller die Machenschaften des KGB in den original Räumen höchst anschaulich gezeigt werden.

(leider waren Fotos verboten)

Womit wir auch schon zur Mitte Europa kommen, denn ca. 25 Kilometer nördlich des KGB Hauptquartiers und Vilnius liegt die geografische Mitte Europas, wie französische „Vermesser“ herausgefunden haben. Nun fasziniert dieser Ort bei weitem nicht so wie zum Beispiel die Überquerung des Polarkreises in Norwegen. Und doch ist man erstaunt, dass hier die Mitte Europas sein soll, die man doch vielmehr süd-westlich vermutet hätte. So kann man sich täuschen.

Glaube versetzt Berge…

… In diesem Falle schmückt er sie. Unzählige Mal haben die Russen den Berg der Kreuze, im Zentrum von Litauen, plattgemacht – ist er doch nicht nur ein religiöses Zeichen sondern vor allem Zeichen des Widerstands gegen die damalige russische Besatzung.

Unzählige Male platt gemacht und immer wieder aufgebaut.  So steht der etwa 9 Meter hohe Hügel nahe der Ortschaft Siauliai, den man schon von weitem sehen kann, nun unmittelbar vor uns.

Über und über bedeckt mit kleinen und großen Kreuzen. Und selbst über den Kreuzen liegen unzählige weitere Kreuze. Wohin man auch schaut, überall Kreuze. Es müssen hunderttausende, wenn nicht Millionen sein.

Ob religiös oder nicht, an diesem Ort hält man automatisch inne, kann sich dieser Strahlkraft religiöser Zeichen nicht entziehen.

Neben ein paar Touristen war an diesem Samstag wohl DER Hochzeitstag in der Region. Schon auf dem Hinweg haben wir unzählige Limousinen im klischeehaft amerikanischen Stil gesehen. Und scheinbar jede dieser Limousinen hatte auch den Berg der Kreuze zum Ziel. So hatten wir mehrmals das Vergnügen, den frisch Vermählten samt Anhang beim Posieren vor dem Hügel bei ca. 34 Grad im nicht vorhandenen Schatten zuschauen zu dürfen. Spaß sah anders aus 😉 Na, zumindest sind die Andenkenfotos nicht verregnet 😉

Die Kurische Nehrung…

… Viel wird erzählt und geschwärmt über die Kurische Nehrung. Für uns war sie leider eher ein Reinfall. 32 EUR für die Fährüberfahrt von, wir schätzen mal, 100 Metern Wasser die die Nehrung vom Festland trennt. Weitere 20 EUR für die Einfahrt in den Nationalpark, was die Nehrung  ist. Gut 40 Kilometer Richtung Nida, dem westlichsten Ort der Nehrung (kurz vor der Grenze zu Russland) auf wirklich extrem holprigen Straßen. Keine Parkplatzmöglichkeit in Nida für unser Wohnmobil. Die Dörfer sind nett, mit kleinen Holzhäusern – aber davon hatten wir ja schon unzählige woanders, und noch schöner gesehen. Die bekannten Dünen sind nicht direkt anzufahren, sprich es wäre ein langer Fußmarsch bei geschätzten 40 Grad geworden. Zudem für uns fraglich ob die Düne so beeindruckt, wenn man wie wir schon die Düne Pyla in Frankreich oder die Sahara gesehen hat. Am eigentlich schönen Strand ist der Untergrund im Wasser selbst unangenehm steinig. Das Wasser der Ostsee sehr trübe und eher stinkend (die Badeshorts mussten wir danach erst einmal gründlich durchwaschen weil sie enorm stank…). Weitere 30 EUR (!) wollten wir nicht für den nicht am Wasser liegenden einzigen Camping auf der Nehrung bezahlen, also ging es am gleichen Tag zurück aufs Festland.

Lange Rede kurzer Sinn. Wir waren in jeder Beziehung von dieser Nehrung enttäuscht. Von daher lautet unser Fazit: Einmal und nie wieder.