Kampf der Schluchten – Dades gegen Todra…

Ja, wir wollten sie beide sehen. Aber beide nicht mit dem Womo – denn die Strecken sind teilweise recht steil, und – noch wichtiger – man wird nicht sofort als Touri erkannt, kann somit etwas entspannter fahren. Also unser Gefährt am Fuße der Schluchten abgestellt (Boumalne und Tinerhir) und den Rest mit dem Roller erklommen.

Vorab: Wer sich auf die Fahrt zu den Schluchten freut, dem sei gesagt, eine einzige Ödnis. Kommt eher einer Mondlandschaft gleich. Nichts als Felsen, Steine, Erde, Staub. Grau, braun, rot. Plattes Land, ohne aufregende Sehenswürdigkeiten. Extrem karg da keiner der Flüsse momentan Wasser führt. Ab und an kleine oasenartige Täler, mit einigen verfallenen Kasbahs. Aber selbst hier wirkt alles irgendwie ausgetrocknet.

Auf unserer Strecke von West nach Ost kommt zuerst die Dades-Schlucht.

Der Camping in Boumalne (Le Soleil Bleu, eigentlich ein Hotelparkplatz; Anfahrt über ein Stück gut fahrbare Piste), liegt etwas abseits oberhalb von Boumalne, aber wirklich schön mit weitem Blick über das Tal und den Beginn der Dades-Schlucht.

Der Hotelmitarbeiter Achmed ist ein sehr lustiger Bursche, den wir im Laufe des Abends noch näher kennenlernten. Denn das Abendessen im angeschlossenen Hotelrestaurant (in dem wir übrigens die einzigen Gäste waren) entwickelte sich zu einem tollen Abend mit Musik und interessanten Diskussionen. Zu unserer Überraschung gab es sogar Wein, hier durchaus unüblich. Neben Achmed kam noch der Koch Rachid und deren Freund Hamu dazu (Hamu arbeitet für eine Organisation, die sich für Entwicklung, Bildung und Austausch mit der „westlichen Welt“ einsetzt). Die Jungs begannen eine spontane Trommel-Session, Berbermusik live. Später unterhielten wir uns noch über das Land, die Leute, den Tourismus, die Stellung der Frauen (ganz wichtig!) und auch über weniger ernste Themen (Hamu ist leidenschaftlicher Witzeerzähler und nutze jede Gesprächspause für einen neuen Kalauer). Ein spannender Einblick in das Leben hier, und die Spannungen zwischen Tradition und Moderne.

Aber zu den wichtigen Dingen, der Schlucht. Vorweg: Unser klarer Favorit ist die Dadesschlucht.

Ja, beide Schluchten bieten beeindruckende Berghänge und schöne alte Kasbahs. Die Dadesschlucht zeigt auf seinen gut 30 km aber davon deutlich mehr. Abwechslungsreiche Bergformationen, grüne Täler mit Palmen, kleine ursprüngliche Dörfer. Und am Ende die enge Serpentinenstraße mit dem wirklich netten Cafe am höchsten Punkt für einen tollen Rast und ein Glas Tee. Eine wirklich lohnende Fahrt.

Am nächsten Tag wird die Todra-Schlucht angesteuert.

Der Ort Tinehir liegt am Fuße des Todraschlucht, ist damit unser Ziel. Der Camping Ourti befindet sich nicht so romantisch am Ortseingang, direkt an der Straße. Er ist eher einfach, die Sanitäranlagen sind alt und nicht so als dass man sie nutzen will.

In der Todraschlucht selbst fährt man hauptsächlich durch viele kleine Orte, landschaftlich ganz nett, aber nicht wirklich besonders. Ein Pluspunkt: Palmen gibt es hier deutlich mehr als in der Dadesschlucht, ja ganze Palmenwälder. Das Highlight, die Schluchtenge nach ca. 15km, ist beeindruckend (immerhin 300m hohe Bergwände die links und rechts von einem hochragen), aber wiegt irgendwie nicht die eher mittelmäßige Anfahrt auf. Zudem nerven die unzähligen Händler, so dass man eigentlich gar nicht anhalten mag. Nach der Enge wird es entspannter und landschaftlich schön, aber letztendlich für uns doch kein Vergleich zur Dadesschlucht.

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